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Pufferjacken - die SUVs unter den Textilien - polarisieren

Wenn es hierzulande kälter ist, kommt es immer dicke: Wenn die Temperaturen sinken, tragen viele Menschen Stepp- und Pufferjacken. Warum ziehen sich Städter wie für eine Arktisexpedition an?

ANTENNE BAYERN ANTENNE BAYERN GmbH & Co. KG
Pufferjacken Christoph Soeder/dpa

Berlin (dpa) - Pufferjacken polarisieren: Die einen lieben sie in der kalten Jahreszeit und tragen sie gern, andere halten sie für eine Modesünde und betrachten Mitmenschen darin als unförmig gepolsterte Lebewesen. 

Kritisiert wird, nun ja, der Speckrollen-Look, und dass sich so viele Leute übertrieben dick anziehen, auch wenn gerade mal Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen. 

Es ist ähnlich wie beim Autotyp SUV (Sport Utility Vehicle), den Geländelimousinen, die viele mögen, andere aber als Stadtgeländewagen fehl am Platz finden.

«Die Menschen in der Fußgängerzone sind angezogen, als wollten sie den nächsten Tag zum Everest steigen», beschrieb es mal Bergsteiger-Legende Reinhold Messner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. 

«Pufferjackenwahn: wandelnde Schlafsäcke»

Manche lästern härter. «Invasion der Michelin-Männchen», schrieb im Januar die «Berliner Zeitung», sprach vom «Pufferjackenwahn: wandelnde Schlafsäcke, herumgeisternde Steppdecken und Kissen, wohin das Auge blickt.» 

Die «Süddeutsche Zeitung» meinte vor Jahren: «Alle tragen riesige Steppmäntel und Arktisjacken, als hätten die Coen-Brüder vor, "Fargo" neu zu verfilmen.» Dabei sehe doch nur Frances McDormand im Expeditionslook gut aus.

Und die NZZ in der Schweiz stellte einst für das wohlhabende Umland von Zürich fest: «Wer sich gelegentlich an geldigen Seeufern aufhält, kann die Versteppung ganzer Bevölkerungsgruppen beobachten.»

Apropos reich: Heidi Klum wurde vor ein paar Wochen im edlen Ski-Ort Aspen (Colorado) beim Spaziergang in einer Puffer Jacket gesehen, deren Stepp-Optik mit Flechtmuster besonders voluminös wirkte. 

Der Trend zur dicken Jacke hält sich ungewöhnlich lange

Ein solcher Auftritt ist nur die Spitze des Eisbergs, strapazieren wir jetzt mal frostige Redewendungen über. Den Trend zur extra dicken Kleidung bei eher milden Wintern gibt es seit Jahren. Er fällt aber mehr und mehr ins Auge.

«Das ist für Mode relativ ungewöhnlich, dass sich ein Trend derart lange hält», sagt Anna Sophie Müller, Dozentin für Textil und Mode an der Europa-Universität Flensburg. 

Immer neue Schnitte und Einzelstücke kämen hinzu. Die besonders dick aussehende Kleidung sei eben Mode, habe eine soziale Funktion, sei «ein vestimentärer Code, mit dem im sozialen Raum kommuniziert wird». 

«Was genau damit einhergeht, ist abhängig von der Szene, der Jugend- oder Subkultur», sagt die Textilwissenschaftlerin Müller. Ein charakteristisches Merkmal von Mode sei «die Selbstverständlichkeit von Paradoxien». 

Kurz gesagt: «Es ist unmöglich, den einen Sinn dieses Trends zu nennen. Um das zu erkunden, müsste man die Menschen befragen, also eine Feldstudie machen und genau die jeweilige modische Funktion herausfinden.»

Auch ökologisch gesehen sind die dicken Jacken zu viel des Guten

Als Wissenschaftlerin schaue sie da aber auch ökologisch kritisch drauf, sagt Müller. «Wir müssen runter vom hohen Verbrauch von Ressourcen.» Eine Welt ohne Mode - nur mit Kleidung, die rein funktional Schutz bietet, Scham bedeckt, den Körper schmückt - wäre wohl hilfreich, sei aber utopisch.

Eine Erkundung im Feld führt bei dick Eingemummelten zu Antworten wie «Das ist so ein Wohlfühlding». «Es geht darum, Kälte abzuhalten, das hilft auch meiner Psyche, wenn ich mich geschützt mit viel Stoff umgebe.»

Auch eine andere Mittvierzigerin in Berlin empfindet die meistens mit synthetischen Materialien aufgeplüschten Textilien-SUVs als Gamechanger.

«Ich liebe meinen Puffermantel, habe darin noch nie gefroren - im Gegensatz zu früher», sagt die gebürtige Bremerin. «Kein anderer Mantel kann da mithalten. Seit ich ihn habe, gehe ich auch im Winter gern und lange raus.»

© dpa-infocom, dpa:250228-930-390073/1