«Emilia Pérez» oder «Konklave»? - Spannung bei den Oscars
Die meisten Nominierungen haben «Emilia Pérez», «Der Brutalist» und «Wicked», aber auch viele deutsche Talente können auf Trophäen hoffen. Das sollte man über die Oscar-Gala am 2. März wissen.
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Los Angeles (dpa) - Thriller, Filmmusicals, Horror, Dramen und Science-Fiction: Bei den Oscars konkurriert eine bunte Mischung um den Spitzenpreis als bester Film. Auch eine ganze Reihe Talente und Produktionen aus Deutschland könnten bei der Trophäengala am 2. März ausgezeichnet werden. Interessante Fakten zu den 97. Academy Awards:
Hollywoods größte Nacht
Die Oscar-Gala im Dolby Theatre von Los Angeles findet am Sonntag planmäßig statt - trotz der verheerenden Großfeuer, die die Stadt im Januar heimsuchten, mindestens 29 Menschen das Leben kosteten und ganzen Wohnviertel in Schutt und Asche legten. Wegen der Brandkatastrophe wurden die Nominierungen für Hollywoods wichtigste Filmpreise zweimal verschoben, aber an der Trophäen-Show am 2. März wollte die Filmakademie festhalten.
Nach dem Defilee der Stars auf dem roten Teppich soll die Preisverleihung in 23 Kategorien um 16.00 Uhr Ortszeit (01.00 MEZ in der Nacht zum Montag, 3. März) beginnen. Der US-Comedian Conan O'Brien (61) steht zum ersten Mal als Moderator auf der Oscar-Bühne. Viermal in Folge hatte zuletzt Jimmy Kimmel durch die Show geführt.
Wo kann man in Deutschland die Gala schauen?
Wer dabei sein will, muss sich die Nacht um die Ohren schlagen. ProSieben überträgt die Verleihung der Academy Awards live aus Los Angeles - schon zum 27. Mal. Vom roten Teppich moderiert auch diesmal wieder Steven Gätjen. Der Sender steigt ab 23.45 Uhr am Sonntag deutscher Zeit ein. Die hauseigene Streamingplattform Joyn des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 ist schon ab 22.30 Uhr am Red Carpet und bei der anschließenden Show dabei.
Neben ProSieben und Joyn zeigt erstmals auch Disney+ die Oscar-Show in Deutschland. Der Streamingdienst überträgt mit Beginn der Gala in Los Angeles ab 01.00 Uhr live in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Wer ist nominiert?
Rein zahlenmäßig liegen bei den Oscar-Nominierungen der Musical-Thriller «Emilia Pérez», das Drama «Der Brutalist» und das Musical «Wicked» vorn. Die französische Produktion «Emilia Pérez» wurde 13 Mal nominiert, «Der Brutalist» und «Wicked» jeweils 10 Mal. Mit je acht Gewinnchancen folgen der Vatikan-Thriller «Konklave» und das Bob-Dylan-Biopic «Like A Complete Unknown». Unter den weiteren Anwärtern mit mehreren Nominierungen sind die Tragikomödie «Anora», der Body-Horrorfilm «The Substance» und das Science-Fiction-Epos «Dune: Part Two».
In den Schauspiel-Sparten gehören Adrien Brody, Timothée Chalamet, Ralph Fiennes, Kieran Culkin, Cynthia Erivo, Demi Moore, Ariana Grande, Felicity Jones, Isabella Rossellini und Zoe Saldaña zu den Nominierten.
Welche deutschen Talente haben Chancen?
Das Drama «Die Saat des heiligen Feigenbaums» des in Hamburg lebenden iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof tritt für Deutschland in der Sparte International Feature Film an. Der heimlich gedrehte Film handelt von den Massenprotesten im Iran nach dem Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini im September 2022. Er wurde hauptsächlich in Deutschland produziert und konnte daher für das Land ins Rennen gehen.
Der Film «Konklave» des in Wolfsburg geborenen Regisseurs Edward Berger - es geht um Intrigen bei der Wahl eines Papstes - ist einer von zehn Anwärtern in der Topsparte «Bester Film». Dazu kommen sieben weitere Nominierungen, etwa für die Filmmusik des Düsseldorfers Volker Bertelmann und das Kostümdesign der gebürtigen Münchnerin Lisy Christl.
Auch die deutsche Produktion «September 5» über das Olympia-Attentat 1972 in München hat Chancen auf einen Oscar. Regisseur und Autor Tim Fehlbaum, Drehbuchautor Moritz Binder und Co-Autor Alex David sind für das beste Original-Drehbuch nominiert. Leonie Benesch («Das Lehrerzimmer») hat in dem Film eine starke Rolle als Dolmetscherin.
Zwei Oscars hat der deutsche Spezialeffekte-Künstler Gerd Nefzer schon - für «Blade Runner 2049» und «Dune: Part One». Und der 59-jährige Schwabe sollte auch diesmal wieder eine Dankesrede parat haben: Für seine Mitarbeit an «Dune: Part Two» gilt er als Oscar-Favorit. Erst kürzlich holten er und sein Team in London die Bafta-Trophäe für die Besten Visuellen Spezialeffekte.
Viele Favoriten - Spannung bis zum Ende
Die in den Monaten vor der Oscar-Zeremonie vergebenen Filmpreise gelten üblicherweise als Vorboten für den Branchenhöhepunkt in Los Angeles. Auch deshalb wird Golden-Globe-Gewinnerin Demi Moore (62) mit ihrer spektakulären Darbietung einer nach Jugend lechzenden Schauspielerin in dem Horror-Thriller «The Substance» als Favoritin gehandelt.
Lange galt auch die Spanierin Karla Sofía Gascón als aussichtsreiche Kandidatin. Sie spielt in «Emilia Pérez» einen mexikanischen Kartellboss, der sein Geschlecht zur Frau angleichen lässt. Gascón ist als erste Transfrau für den Oscar als Beste Hauptdarstellerin nominiert. Doch dann kamen frühere Tweets von ihr ans Licht, die Rassismus, Islamfeindlichkeit und bösartige Kritik an Kolleginnen enthielten - statt im Rampenlicht steht sie nun in der Kritik.
Bei den Männern haben Globe-Preisträger Adrien Brody (als Holocaust-Überlebender in «The Brutalist»), Timothée Chalamet (als junger Bob Dylan in «Like A Complete Unknown») und der Brite Ralph Fiennes (als Kardinal in «Konklave») gute Karten. Zu den Regie-Favoriten zählt US-Regisseur Sean Baker mit seiner temporeichen Tragikomödie «Anora» um eine selbstbewusste Sexarbeiterin (Mikey Madison), die sich in einen russischen Oligarchen-Sohn verliebt.
Stars und Glamour bei der Gala
Die Oscar-Verleiher stimmen mit großen Namen auf die Show ein. Als Presenter und Helfer sollen unter anderem Harrison Ford, Zoe Saldaña, Rachel Zegler, Selena Gomez, Lily-Rose Depp, Oprah Winfrey, Halle Berry, Penélope Cruz, Scarlett Johansson und Willem Dafoe auf der Bühne stehen. Ebenfalls als Trophäen-Verteiler dabei sind die Gewinner der Oscars als beste Haupt- und Nebendarsteller von 2024 - Emma Stone, Cillian Murphy, Robert Downey Jr. und Da'Vine Joy Randolph.
Was soll diesmal anders sein?
Die verheerenden Flächenbrände im Januar haben der Filmmetropole stark zugesetzt. Bei der Grammy-Verleihung Anfang Februar erinnerten Künstler an die Opfer, es wurde zu Spenden aufgerufen. Auch die Oscar-Show solle dafür genutzt werden, die Film-Community zu unterstützen und den Feuerwehrleuten, Helfern und Betroffenen Anerkennung zu zollen, teilte die Academy mit. Sie wollten Los Angeles als «die Stadt der Träume» würdigen und ihre Schönheit und Resilienz herausstellen.
Mit einer Tradition wollen die Veranstalter diesmal brechen. Es wird keine Live-Darbietungen der nominierten Songs geben. Stattdessen sollen die Songschreiber durch «persönliche Reflexionen» ihre Geschichten und Inspirationen teilen, wie es vorab hieß. Eine Oscar-Show ohne Song-Nummern wäre aber undenkbar - und wird es auch diesmal nicht geben: Die Filmakademie hat hochkarätige Musikerinnen angekündigt, darunter US-Rapperin Doja Cat, die britische R&B-Sängerin Raye und die K-Pop-Ikone Lalisa «Lisa» Manoban von der südkoreanischen Girlband Blackpink. Zudem soll es einen «faszinierenden Moment» mit den «Wicked»-Stars Cynthia Erivo und Ariana Grande geben - und einen Auftritt von US-Rapperin Queen Latifah.
Warm anziehen?
Bis auf 28 Grad Celsius kletterten die Temperaturen in den letzten Tagen hoch, doch ausgerechnet am Oscar-Sonntag wird ein Wettersturz mit Regen und für die Jahreszeit ungewöhnlicher Kälte erwartet. Auch in diesem Jahr wurde vorsichtshalber wieder ein Plastikdach über den roten Teppich vor dem Dolby Theatre gespannt.